Wir machen hier mal einen auf Glogger und schreiben ein Mail an die Fifa der Informatiker, genannt I-CH.
Von: florian@initcap.ch An: info@ict-berufsbildung.ch Betreff: Informatiker-Module für die Katz Sehr geehrte Damen und Herren
Als Absolventen einer Berufslehre zum Informatiker Fachrichtung Applikationsentwicklung kennen wir die Module, die dieser Ausbildungsprozess mit sich bringt, bestens. Diese umfassen u.A. die folgende Liste:
Modul 301: Office Werkzeuge anwenden
Modul 302: Fortgeschrittene Funktionen von Office Werkzeugen nutzen
Modul 122: Abläufe mit Scripts/Makros automatisieren
Modul 117: Informatik- und Netzinfrastruktur für ein kleines Unternehmen realisieren
Modul 104: Datenmodell implenentieren
Modul 100: Daten charakterisieren, aufbereiten und auswerten.
Modul 132: Offerten einholen und vergleichen
Modul 112: Im Firstlevel-Support arbeitenDie Module sind eigentlich das :
Modul 301/302: Ein wenig Word, Excel und PowerPoint, super.
Modul 122: Kleinstmögliche Scripts, die realitätsfremder nicht sein könnten.
Modul 117: Systemtechniker-Modul, welches nicht einmal Systemtechniker brauchen.
Modul 104/100: Ein halbes Jahr Datensätze rumkopieren, ergänzen und löschen.
Modul 132: So tun, als wäre man ein Kleinstunternehmen, welches trotz schwieriger wirtschaftlicher Situation Wochen damit verbringt, ein 50-seitiges Evaluationshandbuch zu verfassen.
Modul 112: Supporter spielen, obwohl man Applikationsentwickler ist.Was fällt Ihnen bei dieser Zusammenstellung auf? Richtig – wir sind im dritten Lehrjahr, haben fünf von acht Semester unserer Ausbildung abgeschlossen, und haben bisher nichts anständiges programmiert!
Dies äussert sich auch darin, dass Personen in der Ausbildung, die kein bisschen programmieren und dies leider auch im Geschäft nicht lernen können, dieselbe Note haben wie diejenigen, die seit über vier Jahren mehrere Programmiersprachen sehr gut beherrschen und meisterhafte Applikationen kreieren.
Warum, frage ich Sie, absolvieren wir überhaupt diese Ausbildung? Uns würde es mehr nützen, wenn wir fünf Tage die Woche im Betrieb arbeiten und so wenigstens etwas lernen würden.
Wer bestimmt diese Module überhaupt? Wer definiert, wie bei uns im Aargau die Ausbildung genau verläuft?
Besten Dank für die wertvollen Informationen und freundliche Grüsse
Florian Müller
Wir sind gespannt, wann die Antwort eintrifft – und ob.
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Interessantes Mail. Ich kann dir nur aus der Sicht eines Systemtechnikers im Kanton Bern eine kurze Rückmeldung geben: “Ist hier genau gleich!”.
Habe meine Ausbildung im Sommer 2010 abgeschlossen. Hier in Bern ist es so, dass in den ersten zwei Lehrjahren die sogenannte Grundausbildung absolviert wird. Erst zum dritten Lehrjahr wird entschieden, welchen Fachrichtung eingeschlagen wird (obwohl das vom Betrieb her meistens schon klar ist). So ergeben sich teilweise neue Klassen und die Module werden – eher in einem kleinen Umfang – spezifiziert.
Ich weiss nicht wie ich über die Informatikausbildung urteilen soll. Man lernt auf veralteten Systemen, obwohl im Betrieb meistens schon die neuste Technik eingesetzt wird. Hier zeichnet sich die Schnelllebigkeit im negativen Sinne aus. Mach dir aber einmal Gedanken, wie du es als Schule machen würdest? Lehrkräfte ausbilden? Neuste Technologien kennenlernen und damit umgehen können, bzw. eben gelerntes weitergeben? Externe Fachspezialisten anstellen? usw.
Ich bin gespannt auf die Antwort von I-CH und würde mich über eine Info per Mail freuen, wenn du diese erhalten hast. Merci.
Gruess Hosae
@hosae, das mit der Grundbildung ist uns durchaus bewusst, wir wollten das nur absichtlich hochhalten. Am nützlichsten wäre es, wenn Applis und Systemtechniker schon am Anfang getrennt würden, was meinst du?
In Bern wird grundsätzlich darauf geachtete, dass schon zum Beginn der Lehre die Klassen möglichst nach Fachrichtung gemacht werden. In einigen Fällen haben die Lernenden aber nach den ersten zwei Jahren einen anderen Fachbereich eingeschlagen (sofern das durch den Betrieb möglich war).
Was denkst du den, was es bringen würde? Es müsste eine grundsätzliche Moduländerung her, damit schon in den ersten Jahren nebst der Grundbildung, Allgemeinbildendem Unterricht, Mathematik und Englisch bzw. Berufsmatura Fachspezifisches Platz hätte.
Ich denke, die rasante technische Entwicklung ist nur zum Teil eine Entschuldigung für die veraltete Ausbildung. Wie lange ist VBScript schon veraltet? Gleichzeitig gibt es langlebige Technologien, die wir nur ganz kurz anschauen. Html und CSS werden anfangs Lehre oberflächlich angeschaut, JavaScript gar nicht.
) Aber schlechter wäre es sicher nicht, und mehr Praxisbezug ist ganz schnell sichergestellt.
Dann stellt man sich schon die Frage, ob die Module so langsam entwickelt werden, weil dies nicht von den falschen Leuten gemacht wird, oder weil zu viel spezifiziert wird. Ich weil nicht, ob ich es besser machen würde (Vielleicht gäbe es unter mir auch nur Microsoft Technologien
Die Informatikerlehre setzt kein Niveau voraus, es gibt keine Grundvoraussetzung. Somit kann jeden auch eine Informatikerlehre absolvieren welcher noch nie eine Maus in Händen hielt. Deshalb muss auch das Niveau dementsprechend angepasst werden.
Eignunstest ist eine Möglichkeit. Diverse Niveaus eine andere. Ist aber rein praktisch schwierig zum Umsetzen und setzt eine gewisse Schüleranzahl voraus.
Ich selbst habe auch eine Informatikerlehre auf Applikationsentwicklung abgeschlossen ond spätestens nach der 3ten CD & DVD-Verwaltungs-Programmier-Aufgabe die Geduld verloren und mich um meinen eigenen Kram gekümmert